PARQUE NATURAL DEL ESTRECHO - Provinz Cadiz

Der Naturpark ESTRECHO gehört zu den jüngsten Naturparks in Andalusien, denn er wurde erst 2003 zum Naturpark erklärt. Er umfasst das Küstengebiet der STRASSE VON GIBRALTAR, das von Algeciras bis über Bolonia hinaus reicht.

Offroad-Tour: Unsere Fahrt durch den ESTRECHO beginnt mit einem Zufall. Kurz nach Algeciras fahren wir auf die Küstenstraße bei PUNTA DE GETARES, die einen grandiosen Blick auf den FELSEN VON GIBRALTAR und den Hafen von Algeciras bietet. Algcerias ist eine Industrie- und Hafenstadt. Von hier aus gehen auch Fähren nach Ceuta auf dem afrikanischen Kontinent. Wir haben beide Orte sozusagen links liegen gelassen. Beide stehen bei uns auf der Liste der Dinge, die man nicht unbedingt gesehen haben muss.

Die Strasse führt irgendwann hinauf auf die grünen Küstenhügel. Das gesamte Gelände war und ist Militärgebiet. Diesem Umstand ist auch die üppig erhaltene Natur zu verdanken. Es gibt lediglich ein paar Landwirte, die ihre Stiere, Ziegen und Schafe auf ihren ausgedehnten Weideflächen halten. Also Natur pur. Der Park ist an den meisten Stellen eingezäunt. Aber plötzlich ein Angebot. Der MILITÄRWEG Nr. 7 ist laut einem Schild offiziell befahrbar. Wir fragen vorsichtshalber noch einmal bei einem Einheimischen nach. Bestätigt. Also machen wir uns auf die Räder. Der Weg bietet alles, was man erwarten kann: Schlaglöcher, Schlammlöcher, die noch vom letzten Regen gut gefüllt sind, bergauf, bergab, durch Wald, über Feld. Und immer mit einer grandiosen Aussicht auf's Meer.

Es ist schon ein ziemlich beeindruckendes Gefühl, wenn man bedenkt, dass sich an dieser Stelle zwei völlig unterschiedliche Kontinente gegenüber stehen. Der Blick nach Afrika ist heute relativ klar und der JBEL MUSA-Felsen in Marokko steht uns in seiner ganzen Größe gegenüber. Wir sind ca. 15 km in diesem Militärgelände unterwegs, vorbei an Windkrafträdern kommen wir direkt am Strand am TORRE VIGIA GUADALMESI an.

Der Rest des Parkes wäre weiterhin gut befahrbar, ist aber vom Militär gesperrt. So geht es auf der PISTA OLADA DEL CAMINO DE ALGE zurück auf die Landstraße, die nach 5 km in Tarifa mündet. Aus der Ferne haben wir die Guardia Civil erkennen können, die hier Patroille fährt. Afrika ist nicht weit und die Flüchtlingskrise akut. Und prombt: nach ein paar Metern steht sie nach einer Kurve und hält uns an. Wir müssen unseren Pickup öffnen. Die Ladefläche wäre ja ideal. Aber nach einer kurzer Überprüfung und ein paar netten Worten der Erklärung, wie wir unterwegs sind, wünscht man uns eine gute weitere Weiterreise durch den ESTRECHO.

Wandern: Wie in ganz Andalusien gibt es durch den ESTRECHO herrliche Wanderwege. Infos dazu hier

Tarifa: ein kleiner Küstenort mit einer gesperrten Militärinsel. Wenn man von der Lage absieht, ist der Ort eher unspektakulär. Bis auf die Wassersportler. Die schon oben erwähnten Winde schaffen ein Paradies für Surfer, Kitesurfer und Wellenreiter. Auf einem breiten Sandstrand, an dessen Ende man die DÜNE BOLONIA erkennen kann, sind gerade hunderte Surfer unterwegs. Wohlgemerkt. Wir sind im ersten Quartal des Jahres und das Wasser hat gerade mal 15°. Und der ständige, teils starke Wind lässt einem manchmal die Außentemperatur anders empfinden, als sie ist. So sitzen wir eingepackt in Windstopperjacke und Mütze da und schauen den Wasserkünstlern zu.

Weiter geht es an der Küste zur

DUNA DE BOLONIA: Sie ist eine Wanderdüne, die sich langsam im Rhythmus der Winde vorwärts bewegt. In der Zwischenzeit ist sie über 30 m hoch. Ein kleines bißchen macht sich hier ein "Wüstengefühl" breit. Eine Wanderung über die über 200 m breite Dünenlandschaft, bringt ein wenig Unordnung in unseren Orientierungssinn. Irgendwie sehen alle Hügel gleich aus. Jetzt kann man sich gut vorstellen, wie es einem dann in einer echten Wüste geht. 

Die DÜNE VON BOLONIA ist die bekannteste und wurde zum Naturdenkmal erklärt. Diese unwirkliche Umgebung hat sich an den Küstensand angepasst. Ständige Winde und Trockenheit lassen nur noch ein paar Pflanzen einen Lebensraum, wie dem weißen Ginster, Meeresfenchel und Narzissen. Die Kiefern gehen ein, sobald sie zur Hälfte im Sand verschwunden sind.

Von hier aus machen wir uns durch Kiefernwälder an der Küste auf dem Weg durch den ESTRECHO Richtung Barbate, was wir wiederum links liegen lassen. Auch hier hat der Wind eine Düne entstehen lassen. Ausgestattet mit einem Fernglas können wir von hier oben nach Tanger schauen, dass direkt gegenüber an der afrikanischen Küste liegt. Bei klarer Sicht kann man die Stadtsilhouette gut erkennen.

 

Unser Weg führt weiter am FARO DE TRAFALGAR, der umgeben von Sand herrlich herausragt. Über ZAHORA, EL PALMAR, CONIL DE LA FRONTERA geht es rein ins Landesinnere nach VEJER DE LA FRONTERA. Der Ort liegt auf einer Anhöhe. Von hier oben schaut man in die flache Weite Richtung Cadiz. VEJER DE LA FRONTERA ist unbedingt einen Besuch besuch wert. Man muss gut zu Fuss sein und parken sollte man gleich am Ortseingang. Und dann geht es, wie in den meisten andalusischen weißen Dörfern in engen Gassen rauf und runter. Hier endet auch unser Trip durch den ESTRECHO, den wir unbedingt empfehlen möchten.

Birdwatching: Die Hauptakteure des Parks sind die Vögel, wie z. B. der Weißstorch, Wespenbussard  oder der Gänsegeier. Auch den Kaiseradler,  Habichtsadler und sogar Wanderfalken bekommt man vor's Fernglas. In einem gut ausgebauten Netz von Observatorien im Park kann man hier das gesamte Jahr über Vögel beobachten.

Zwischen Tarifa und Afrika ist die Strasse von Gibraltar mit ca. 15 km die engste Stelle, die für die Zugvögel von großer Bedeutung ist. Hier kann man alle möglichen Vorgelarten beobachten, denn zwischen Januar und Mai kommen die Zugvögel aus Afrika zurück. Jede Vogelart zu einer bestimmten Zeit. Wir sind Ende Februar hier und können Adler und Weißstörche bei der Überquerung beobachten. Infos bei der JUNTA DE ANDALUCIA "La Migracíon de las Aves Planeadoras"

Fazit: Der Naturpark bietet interessante Felsformationen an der Küste, breite Sandstrände, sattes Grün, zum Teil ursprüngliche Natur. Es ist eine rauhe Gegend mit vielen landschaftlichen Reizen. Die meisten Ortschaften im ESTRECHO sind kleine normale Dörfer. Die Hauptdarsteller der Gegend sind Wasser, Wälder, Weite, Wind und Wassersportler. Und natürlich Fauna und Flora. Auch am Anfang eines Jahres, wenn z. B. der Stechginster für gelbe Flecken sorgt. West- und Ostwinde sind einerseits die Routengeber für die Vögel und haben andererseits große Dünen aufgebaut. Zum Wandern eine ideale Jahreszeit. Biker haben es mit dem Wind etwas schwerer.

Wissenswertes/Stierzucht: gerade im Naturpark Estrecho (und in weiten Teil Andalusiens) wird überwiegend Stierzucht betrieben. Auch wenn die meisten Stiere in einer spanischen Stierkampfarena ihren Tod finden, haben sie doch ein besseres Leben, als in unseren Viehbetrieben. Jedem Stier steht ein Hektar Weidefläche zur Verfügung, was notwendig ist, weil die Tiere sich möglichst aus dem Weg gehen und möglichst nicht mit Menschen in Berührung kommen sollen. Hier, in freier Wildbahn, verbringt der Stier die meiste Zeit seines Lebens. Diese Bedingungen gelten auch für seine Artgenossen, die letztendlich beim Metzger enden. Übrigens - artgerechte Haltung oder Biofleisch wird so gut wie gar nicht praktiziert.

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