Picos de Europa

Reisezeit: September 2016. Reiseroute: Deutschland - Bordeaux - Bilbao - Picos de Europa - Figueruela de Arriba - Ruidera - Costa Blanca. Mit Extra-Touren ca. 5000 km.

Wir starten mit unserem ERIBA/TROLL Richtung Spanien. Ziele: Bergpisten im Hochgebirge, grüne Küstenlandschaft, Naturparks uvm.

Bergstraßen PICOS DE EUROPA

Pais Vasco

Kantabrien

Die ersten zwei Etappen führen über Belfort (empfehlenswerter Campingplatz L'ETANG DES FORGES nach Paray le Monial (sehr empfehlenswerter Campingplatz DE MAMBRÉ). Wir sind auf der Landstraße unterwegs, was mit dem Wohnwagen kein Problem darstellt.

Besonders schön ist das Reisen natürlich, wenn man ausreichend Zeit hat, so wie wir, und mal eine unvorhergesehene Umleitung etwas weiter führt oder es auch mal nicht ganz so flott geht. Belohnen kann man sich, wenn man in eine Dorfbäckerei geht und sich mit Kleinigkeiten und frischem Brot eindecken kann. Ein Hochgenuss. Das geht natürlich nicht, wenn man nur auf Autobahnen unterwegs ist.

 

Paray le Monial ist durch das ansässige Kloster der begehrteste Pilgerort Frankreichs und ein Besuch lohnt in jedem Fall. Unser Campingplatz liegt günstig am Stadtrand, so dass wir zu Fuß entlang eines Flüsschens "Le Bourbince" marschieren, um den kleinen Ort zu erkunden. Besonders empfehlenswert, wie der Hausherr des Campingplatzes uns mitteilt, ist der Ort am Abend, da er großzügig beleuchtet ist.

 

Und wenn man schon mal an der Loire ist, sollte man auch ein Stück an ihr entlang fahren. In dieser Gegend sind zwar noch nicht so zahlreiche Chateaus und Schlösser, aber SANCERRE ist nicht weit, somit auch die Weinfrage für den Abend geklärt.

 

Wir machen einen Ausflug nach Nevers. Die Kathedrale sollte man, auch wenn man kein erklärter Kirchengänger ist, unbedingt besuchen. Wir haben selten Kirchenfenster gesehen, die in derart kräftigen Farben den ganzen Tag üer erleuchten. Die Kirche steht inmitten des Ortes auf einer Anhöhe, so dass sie den ganzen Tag rundherum von der Sonne bestrahlt wird. Und im Gegensatz zu unseren Kirchen, ist sie noch gut besucht. Wir waren kurz vor Schluss der Samstagsmesse um die Mittagszeit da und sie war voll.

 

Auf der Rückfahrt nach Paray le Monial machen wir einen lohnenswerten  Abstecher nach Digoin. Denn hier gibt es ein altes Aquädukt. Über den "Pont Canal deDigoin, der als Verbindung zwischen dem Canal du Centre und dem Canal Latéral à la Loire dient, schippern Freizeitkapitäne. Dieser Anblick hat schon was, wenn statt einer Eisenbahn ein Schiff über eine Brücke fährt.

 

Landschaftlich erinnert es hier ein wenig an Andalusien. Weit und breit riesige Weideflächen mit weißen Kühen. Auffallend ist hier, dass die einzelnen Weideflächen noch mit Sträuchern und Hecken unterbrochen sind, was man bei uns nicht mehr sieht. Schade eigentlich, denn Vögel und Insekten hätten somit ein Zuhause.

 

Wer Fayence-Keramik liebt, ist in dieser Gegend vollkommen richtig. In Nevers, aber auch in den anderen Orten gibt es noch zahlreiche Keramikläden, die diese wunderschönen Alltagsgegenstände in den klassischen Farben weiß-blau produzieren.

 

Weiter führt uns der Weg nach Bordeaux. Obwohl schon Mitte September, kommen wir bei schwülen 36° an. Der Schweiß steht in jeder Pore. Aber egal, wir haben uns einen kurzen Stadtbesuch vorgenommen und morgen soll ja ein Gewitter kommen. Wir sind auf einem Campingplatz nahe der Stadt, so dass wir bequem mit Bus und Tram in die City fahren können. Für € 1,50 kann man eine Stunde lang fahren. Da fragt man sich, wieso die Preise z. B. in München derart teuer sein müssen! Die Altstadt ist bequem zu Fuß zu erkunden. Aber Bordeaux ist auch eine Fahrradstadt. Überall stehen Stände, an denen man direkt ein Rent-a-Rad mitnehmen kann. Bordeaux ist auch für Radler, die noch nicht oder nicht mehr so fit sind, denn es liegt flach.

 

Alte Architektur ab dem 16. Jahrhundert prägt auch heute noch den Kern der Stadt. Fast die gesamte Altstadt ist Fußgängerzone und man schlendert vorbei an Museen, Palästen, Theatern, schicken Hotels und vielen Geschäften. Natürlich kann man an einem Tag mit Blitzbesuch nicht alles sehen. Wie z. B. das im Juni 2016 eröffnete futuristische Weinmuseum, das schon von außen spektakulär aussieht. Hier gibt es alles für den Weinliebhaber. Von Probiersessions, einem Restaurant, einer Weinbibliothek bis hin zu buchenden Führungen zu den wichtigsten Chateaus nahe Bordeaux. Aber auch, wenn man durch die Stadt schlendert, kommt man immer wieder an altehrwürdigen Geschäften mit Delikatessen aus der Gegend vorbei. Unbedingt lohnenswert ist ein Besuch im GRAND THEATER aus dem 18. Jahrhundert. Man kann es zwischen 1 Uhr und 17 Uhr innen zum Teil besichtigen. Ein Blick in den ersten Stock in einen der Säle lässt erahnen, was es damals bedeutet hat, ins Theater zu gehen.

Die Stadt läßt sich für Besucher einiges einfallen: Man kann nicht nur im kleinen oder großen Citybus die Stadt pauschal erkunden. Nein, das geht auch in einem Cabrio oder standesgemäß mit einer „Ente“ und natürlich auch zu Wasser. Obwohl Bordeaux doch über 120.000 Einwohner hat und ein relativ großes Einzugsgebiet umfasst, besitzt es das typische französische Flair mit einer beruhigenden Gelassenheit.

Fazit des Kurzbesuches in Bordeaux: Man braucht für die Stadt ein verlängertes Wochenende, denn auch das Umland hätte was zu bieten. Zum Beispiel das Gebiet, wo Garonne und Dardogne zusammen fließen. Dieses Naturschutzgebiet soll in Europa einzigartig sein. Wer noch keine Wanderdüne größeren Ausmaßes gesehen hat, muss nicht nach Afrika, die gibt es auch nahe Bordeaux zu sehen.

Die letzte Nacht war eine der ganz schlimmen. Ein Sturmtief zog über die Küste und hat ordentlich am Eriba gewackelt. Eine Gruppe Niederländer war am Morgen „obdachlos“ geworden, weil das Zelt keinen Widerstand leisten konnte. Die Küste von PAIS VASCO zeigt, wie rauh, das Klima hier sein kann. Unser Ziel ist aber in erster Linie Bilbao. Besser gesagt, das Guggenheim-Museum in Bilbao. Auch hier kann man nur empfehlen, das Museum zu besuchen. Allein der Bau lässt einem bewundernd staunen. Und wir haben Glück. Es gibt eine Andy Warhol-Ausstellung (Shadows) und eine Expressionisten-Ausstellung nach dem Motto Pariser Schule 1900 bis 1945. Wir waren sehr begeistert.

 

Und jetzt machen wir uns auf den Weg zu den Picos de Europas. Auf dieses Ziel freuen wir uns auf unserer Reise am meisten. Dem schlechten Wetter geschuldet fahren wir Autobahn. Bis auf einen kleinen Obulus, war sie kostenlos. Und - es wird zunehmend heller und trockener. Wir haben uns den Campingplatz LA ISLA PICOS DE EUROPA ausgesucht. Ruhig, an einem Bach gelegen.

 

In unseren Gefilden würde man sagen, Potes ist ein Wanderdorf. Wir sind schon in der zweiten Hälfte des Septembers und die Spanier sind auf Schusters Rappen unterwegs. Ein paar Engländer und Niederländer. Ansonsten ist wenig Tourismus. Die meisten Campingplätze schließen Ende September. Aber genau das macht die „Picos“ aus. In der Saison ist hier Massentourismus. Im Herbst sind die Genießer hier. Es herrscht eine wunderbare Atmosphäre. Und auf unseren  Touren in das Herz der Picos sind wir manchmal ganz allein unterwegs.

 

Natürlich wollen wir auch die spektakuläre Offradpiste zwischen Espinama und Sotres fahren. Auch hier sind wir das einzige Auto. Außer Moutainbikern, ein paar Wanderern und dem Taxi !!!, das zwischen diesen beiden Orten pendelt. Die Route führt auf durchschnittlich 1500 m Höhe durch das Herzstück der Picos. Die Ausblicke und Eindrücke sind einfach nur sagenhaft. Das schöne Wetter unterstreicht jeden einzelnen Eindruck. Es geht über eine schmale Schotterstrecke rauf und runter, durch hochgelegenes Grasland, auf dem pechschwarze Pferde stehen, durch Karstlandschaft, in denen die Refugios in eine traumhaften Lage auf Wanderer warten. Heidekraut und Herbstzeitlose wachsen üppig und freuen sich über die letzten warmen Sonnentage, eher der Winter Einzug hält. Man kommt an vermeintlichen Siedlungen vorbei, aber die meisten kleinen Steinhäuser dienen den Bauern für das Vieh bzw. den Futtervorrat. Die Strecke ist ca. 23 km lang. Wir brauchen dafür etwas mehr als zwei Stunden. Natürlich bleiben wir immer wieder stehen, um die Eindrücke festzuhalten.

 

In Bulnes gibt es für Wanderer, die hoch oben wandern wollen, die Gelegenheit mit einer Bergbahn auf über 2000 m Höhe zu fahren. Das Vergnügen kosten hin und zurück knapp 25 Euro und lohnt für den Ausblick, der einem oben erwartet. Der Ort Bulnes verfügt über keine Straßenanbindung und ist nur auf diese Weise oder zu Fuß zu erreichen.

 

Den Nationalpark Picos de Europa teilen sich die autonomen Gemeinschaften Asturien, Kastilien-León und Kantabrien. Hier begann in grauer Vorzeit die Reconquista mit der Schlacht von Covadonga.

 

Eine andere Tour führt uns von Potes nach Cain, die wir in einem „Rundkurs“ unternehmen. Über Sato de Valdeón führt der Weg hin und über St. Marina de Valdeón wieder zurück nach Potes. Man ist hier quasi im Vorgebirge der Picos. Mit Steigungen bis zu 20 %. Es geht durch waldreiche Landschaft mit unzähligen Eschen, deren Früchte von weitem leuchten. Überall in den Picos sind riesige Kuhherden unterwegs und man fragt sich oftmals, wo sie wohl ihren Winter verbringen und wie kommt heute die Milch ins Tal. Als Autofahrer ist man ebenfalls gefragt, denn die Kühe laufen hier frei herum. Da steht dann schon mal eine Herde auf der Straße - völlig unbeeindruckt von uns auf der Suche nach dem besten Gras.

 

Wer nach Cain fährt, kommt in eine Ortschaft, die eingekeilt ist vom massiven Hochgebirge. Ringsherum stehen gewaltige Riesen mit einer Höhe bis zu 2600 m. Der Rio Carges begleitet die Zufahrtsstraße nach Cain eine Weile, und schlängelt sich nach dem Ort spektakulär durch eine Schlucht bis Camarmena auf der anderen Seite des Bergmassives. Man kann entlang des Rio Carges ca. 12 km wandern, wobei es gut wäre, wenn auf der jeweils anderen Seite jemand auf einen wartet und wieder einsammelt. Auch Kletterer haben hier ihren Spaß. Die VÍA FERRATA DEL CARES lädt zu allen Schwierigkeitsgraden ein.

 

Apropos wandern: Wandern in den Picos ist ein Hochgenuss. Hier kommen alle auf ihre Kosten. Und alle Orte heißen die Wanderer mit ihren vielen Bars und Restaurants herzlich willkommen. Wer hier außerhalb der Hochsaison unterwegs ist, findet Ruhe, traumhaft herbstliche Landschaft und die Gewissheit, nicht im Pulk wandern zu müssen. Wer wandertechnisch nicht voll ausgerüstet ist, braucht sich zum Beispiel um Wanderstecken keine Gedanken machen. Die gibt es in allen Holzarten und Größen an jeder Ecke zu kaufen. Und nicht nur die. In Potes sind alle auf Sport getrimmt.

 

Unbedingt sollte man auch in die nahen, höher gelegenen Bergdorfer wandern, die meist in zwei bis drei Stunden erreichbar sind. Hier kann man noch zum Teil die ursprüngliche Bauweise der Bergbewohner sehen und fragt sich, wie so mancher den Winter überstanden hat. Da wir September unterwegs sind, zeigen sich schon die ersten Verfärbungen der Natur. Das Farn wird auf großen Flächen braun, die Haselnüsse (wir sammeln sie alle ein) und Edelkastanien fallen vom Baum und die Brombeeren wandern zuckersüß direkt in den Mund.

Von Potes nach Covadonga. Das ist unser nächster Trip. Eigentlich ahnen wir schon, dass dies ein Ausflug werden kann, der nicht wirklich nach unserem Geschmack ist. Covadonga ist mit seinem Kloster natürlich auch eine Pilgerstätte. Wir wollen uns eigentlich nicht vorstellen, wie es hier zugeht, wenn Hochsaison ist. Die Straße zum Lago de Enol und Lago de la Ercina schlängelt sich hoch. Zwischendurch am Mirador de la Reina gibt es eine Extrashow für uns, die dann doch wieder voll und ganz nach unserem Geschmack ist. Unzählige Geier und Adler ziehen ihre Kreise und nutzen die gute Thermik. Einfach nur herrlich anzusehen, wie erhaben mit ganz wenig Flügelschlag diese riesigen Raubvögel über uns hinweg ziehen.

 

Oben angekommen ist es natürlich ein schöner Anblick auf die umliegenden Berge. Aber die wirklich schönen Anblicke der Picos muss man sich hier oben erarbeiten und wandern gehen. Der Stechginster blüht auf riesig großen Flächen. Auch der Herbst hat seine schönen Seiten. Und wir sind heil froh, dass wir nicht in der Saison hier sind. Denn dann könnte man mit dem Auto nicht bis ganz oben fahren, sondern müsste den Bus nehmen und in der Reihe einfinden. Die Straße ist gut befahrbar, an manchen Stellen etwas eng.

 

Wer den Besuch von Klöstern mag, der sollte es nicht versäumen , dieses auf einer aussergewöhnlichen Lage stehende Kloster mit seinem Walfahrtspunkt zu besichtigen. Wir empfinden den Besuch der Basilika allerdings als etwas düster.

 

Auf dem Rückweg "schauen" wir noch mal links oder rechts. Die Puente "la Vidra" gehört zu einer der ältesten Sehenswürdigkeiten, die noch aus der Römerzeit stammt und heute noch ihren Dienst voll und ganz tut. Im Fluss unter uns staunen wir nicht schlecht. Hier schwimmen gut im Futter stehende Lachse. Asturien ist bekannt, berühmt und überaus beliebt bei Anglern, die hier in der Zeit, in der sie angeln dürfen, fette Beute machen. Darunter auch der Lachs.

Es ist der 22.09.2016 und wir fahren weiter nach Süden. Es treibt uns in die Sierra de la Culebra in der Provinz Zamora. Der Campingplatz gleichen Namens wird unser Ausgangspunkt sein. Die Anfahrt hier her empfinden wir wie in einem falschen Film. Kommend aus dem bergigen Grün fahren wir geradewegs auf ein Hochplateau auf ca. 800 m Höhe. Ein bizarres Bild tut sich auf: weit und breit vertrocknetes Grasland. So stellt man sich Texas vor. Unser Campingplatz liegt einsam vor einem Ort, den der spanische Staat wohl vergessen hat. Im Umkreis von 20 km kein Supermarkt, wie wir ihn kennen. Aber trotzdem gibt es Brot, frisches Fleisch  und was man sonst im täglichen Leben braucht. In San Vitorio sind sie noch, die kleinen Läden ohne Ladenschilder, wo man zweimal hinschauen muss, damit man nicht dran vorbei läuft. Brot für einen Euro, drei Koteletts für zwei Euro fünfzehn. Eine Ferreteria, in der es von der Batterie bis zur Nudel alles gibt. Auch tanken muss man sich in dieser Gegend gut überlegen. Unser Campingred-Platz liegt im Nichts. Nur Grassteppe im sanft-hügeligen Weitblick.

 

Es ist eine klare Nacht und Halbmond. Wir trauen unseren Ohren kaum. Röhrende Hirsche. Es ist gerade Brunftzeit. Aufgeregte Hunde bellen. Sie bewachen offensichtlich eine Herde und sind auf irgend etwas aufmerksam gemacht worden. Heulende Wölfe. Jetzt geht gleich die Phantasie mit uns durch.  In der Sierra de la Culebra lebt das letzte Rudel Iberischer Wölfe in freier Wildbahn, wie es sonst in Spanien nicht mehr vor kommt. Eine echte Erfahrung.

 

Aufgewacht. Wir fahren Richtung Portugal ins Duorotal. Von unserem Campingplatz in Figueruela de Arriba sind es nur knapp 60 km. Der Duoro verläuft über 122 km in einer Schlucht, die auch gleichzeitig die Grenze zwischen Portugal und Spanien bildet. In Miranda do Duoro gibt es die Möglichkeit, mit einem Glasschiff zwei Stunden lang den Naturpark Duoro de Arriba zu erkunden. Hier erleben wir einen Adler, der uns aufmerksam beobachtet und reichlich Fische, die beim heutigen Sonnenschein an der Wasseroberfläche schwimmen. Geier, Störche, Milane und Nutrias finden hier ihr zu Hause. Der Naturpark wird aufmerksam geschützt und die Führerin auf dem Schiff lebt ihren Beruf, denn sie klärt bestimmt aber mit viel Freude über die Schutzzone auf. Wer sich in der Gegend aufhält, sollte diese Schifffahrt durch einen kleinen Teil des Canyons  mitmachen. Sie kostet 20 Euro pro Person, die sich lohnen.

 

Auf dem Rückweg schleichen wir übers Land. Wir landen schließlich in einem winzigen Ort: Sao Joao das Arribas. Ich schlendere mit der Kamera durch die teilweise unbefestigten Gassen des Ortes. Es ist Mittagszeit und es schwirren diverse Düfte aus den uralten Steinhäusern, die zum Teil den Eindruck vermitteln, dass hier eigentlich niemand mehr wohnen kann. Auf dem Dorfplatz steht ein Brunnen, der mit glasklarem Wasser randvoll gefülllt ist. Eine Bushaltestelle, die erst auf den zweiten Blick erkennbar wird und man fragt sich, wer steigt wie oft in der Woche in den Bus ein oder aus. Und dann strahlen unsere Augen. Ein typisch gekacheltes Haus, wie man es in Portugal erwartet.

 

Ganz nah der spanisch-portugiesischen Grenze kommen wir an einem klassischen Keramikgeschäft vorbei gekommen. Hier wird noch handwerklich gearbeitet und zwei Teile haben jetzt den Besitzer gewechselt. Aufmerksam durch eine kleine Kirche auf einem Hügel geworden, entdecken wir hier direkt auf der Grenze unzählige Flaggen und ein „Baumhaus“. Hier haben zwei Männer die Aufsicht über die weiten Waldlandschaften. Solange hier kein Feuer ausbricht, sind die Herren mit einem herrlichen Blick auf eine hügelige Landschaft mit viel Grün verwöhnt. Der eine schaut auf die spanische Seite, der andere auf die portugiesische.

 

Unser Campingplatz hat uns anfangs sehr überrascht, denn er liegt wirklich im Nichts. Aber am Wochenende ist knack voll. Die Spanier sind unterwegs. Selbst in so einer von Gott verlassenen und unwirklichen Gegend suchen Städter Ruhe und Erholung.

Auch dieser Morgen beginnt mal wieder um halb neun. Egal, wann wir ins Bett gehen, das ist unsere Zeit zum Aufstehen. Es wird wieder ein schöner Tag, den wir nutzen und uns auf den Weg zum Lago de Sanabrina bzw. Lago de los Peces machen. Einer der wenigen natürlichen Seen in Spanien. Diese beiden stammen noch aus der Eiszeit und sind Gletscherseen. Der Weg zum See führt durch riesige Eichenwälder. Es sind Pyrenaen-Eichen. Und dann ist ab einer gewissen Höhe gar kein Baumbestand mehr, aber endlos weite Ginster- und Heidekrautflächen. Im Frühjahr ist hier sicherlich ein Feuerwerk von Gelb und Rosa zu sehen. Der Ausblick von hier oben reicht ringsherum mächtig weit ins Land. Natürlich kann man hier hinauf auch mit dem Bike fahren und  Wandertouren unternehmen.

 

Auf dem Rückweg machen wir einen Stopp in der historischen Altstadt von Pueblo de Sanabrina. Der gesamte Altstadtkern steht unter Denkmalschutz und ist UNESCO-Weltkulturerbe. Der Ort liegt auf einer Anhöhe, die schon von weitem zu sehen ist. Hier bekommt man einen Eindruck von der ursprünglichen Bauweise dieser Gegend. Typisch für die Gegend sind zum Beispiel Schieferdächer. Schiefer ist hier in direkter Umgebung vorhanden und wird nach wie vor verarbeitet. Ein Besuch es Ortes sollte unbedingt eingeplant werden.

 

Da wir Schleckermäuler sind, haben wir uns hier zwei Kilo Honig mitgenommen. Einer ist fast schwarz und stammt aus den umliegenden Wäldern. Der andere von vorneherein dickflüssig und wurde ebenfalls in der Umgebung gewonnen. Wir durften beide vor dem Kauf probieren.

Wir starten zu unserer letzten Etappe. Es geht einmal quer durch Zentralspanien. Mehr als 500 km nichts außer Agrarwirtschaft. In Beige und Braun. Vorbei an Madrid, wo der Blick auf eine niedrige Hügelkette nördlich fällt, die offensichtlich das einzige grüne Rückzugsgebiet weit und breit für die Madrilenen ist. Diese langweiligen Blicke aus dem Autofenster machen deutlich, warum so viele Städter an die Küste wollen. Die letzte Bestätigung, dass es so ist, haben wir von einer Besitzerin eines Lebensmittelgeschäftes, die einen Tag nach unserem Besuch in den Urlaub fahren will. Wohin wohl? Na, an die Küste! Blaues Meer!

Unser Ziel sind die Lagunas de Ruidera. Ein Naturphänomen. Hier bildet der Fluss Guadiana immer wieder kleine Seen, verschwindet und taucht wieder auf. Rund um dieses über ca 35 km lange Areal sind mehrere Wandermöglichkeiten. Hier bietet die Natur, natürlich im Frühjahr, ein buntes farbenprächtiges Kleid. Aber wir sind ja im Herbst unterwegs, was der Situation überhaupt nicht schadet. Es ist ruhig, denn Hotels, Appartements haben gerade geschlossen, kein Tourismus, wie im Hochsommer. Denn hierher kommt nur jemand, der sich erholen will. Es ist ruhig, weit und breit keine größere Stadt. Erholung pur. Unser Campingplatz hat das ganze Jahr offen, hauptsächlich von Einheimischen genutzt und von internationalen Freizeitaktivisten, die keinen geregelten Job mehr haben.

Wir besuchen das Castillo de Peñarroya nördlich. Das Castillo ist auch gleichzeitig ein Stauwehr. Gleich hinter dem Castillo geht es links runter zum Embalse auf die andere Seite des Stauwehrs. Hier kann man auf einem unbefestigten Weg, der auch gleichzeitig die 2. Etappe des Camino Natural del Guadiana ist, bis nach Ruidera zum Wasserfall fahren und hat somit die Gelegenheit, die schön gelegenen Lagunen zu entdecken, die man von der Straße der anderen Seite des Sees nicht einmal sieht.

Ende der Reise.

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